Das ist unser Vorschlag für 2018

20. December 2017 0 By Annette Jensen

Wir haben an Senatorin Karin Lompscher und an die Tempelhof Projekt GmbH schon vor einigen Wochen folgenden Vorschlag geschickt. Außer dass uns die Tempelhof Projekt GmbH mitgeteilt hat, dass die “angesprochenen Teilflächen im Gebäude G2 ….für die Nutzung in ihrer Gesamtheit vorgesehen sind” (was immer das heißt) und wir sie deshalb nicht nutzen können, haben wir noch keine Antwort darauf.

 

Konkret anfangen

Die Initiativgruppe thf.vision schlägt vor, mit dem Themenhof Ernährung zu starten. Das Thema betrifft nicht nur den Alltag aller Menschen und sehr vieler Unternehmen – es ist auch hochrelevant für die Entwicklung von tragfähigen, generationen-übergreifenden Lebens- und Wirtschaftsweisen. Produktion, Verarbeitung, Verteilung, Erwerb, Zubereitung und Entsorgung von Lebensmitteln sind heute für rund ein Drittel des ökologischen Fußabdrucks von Städter*innen verantwortlich.

Starten möchten wir deshalb mit einer professionellen Küche, einem Speisesaal und Räumen für Treffen, Kultur und Büroarbeit. Von da aus gestalten wir partizipativ den ersten Themenhof „Ernährung“ entsprechend der SDGs. . Eine Küche eröffnet die Möglichkeit, vielfältige Personen und Gruppen einzubeziehen. Lebensmittelretter*innen können gutes Essen kochen, Senior*innen ihr Wissen über regionale und saisonale Lebensmittelangebote weitergeben, Migrant*innen und Zufluchtsuchende Spezialitäten ihrer Herkunftsländer zubereiten. Kochkurse für Kinder, Obdachlose und Menschen mit Allergien sind hier ebenso möglich wie gemeinschaftliches Kochen von Menschen aus der Nachbarschaft. Der multifunktional einsetzbare Speiseraum öffnet niederschwellig den Zugang zum bisher unbelebt wirkenden Gebäude: Ein Mittagstisch lockt Menschen an aus der Nachbarschaft, neugierige Berliner*innen, Tourist*innen und Beschäftigte der im Gebäude ansässigen Polizei. Thematische Abendessen und Genuss-Festivals bieten sowohl die Chance gezielter Vernetzung als auch zufälliger Begegnungen von Menschen, die sonst keinen Austausch miteinander praktizieren. Anders als in Restaurants und Kantinen üblich kann es flexible Preise geben.

Der Innenhof hinter H2 rund und G2 ist ein geschützter und grüner Bereich, in dem sich Kistengärten, Hochbeete oder ein Weltacker anlegen lassen. Bienenstöcke, Aquakulturanlagen zur Produktion von Fischen und Gemüse können hier oder auf den anliegenden Dächern platziert werden. Um fruchtbaren und ertragreichen Humus zu gewinnen, werden die Küchenabfälle zu Terra Preta-Substraten verarbeitet. Auch die Stoffströme von Trenn-Toiletten, mit denen das Gebäude sukzessive ausgestattet werden, ermöglichen eine Schließung von Stoffkreisläufen nach dem Vorbild der Natur. In den Kellergewölben können Pilze gezüchtet, Lebensmittel verarbeitet und eine gemeinschaftliche Nutzung z. B. von Honigschleudern und professionellen Saftpressen organisiert werden. Ein Großteil der Lebensmittel sollte aus der Region Berlin-Brandenburg stammen und innerstädtisch mit Lastenrädern und damit klimaneutral transportiert werden. Elemente unserer urbanen resilienten Ernährungsstrategie gibt es an verschiedenen Standorten in Deutschland und der Welt. In der Kombination, Dimension und Vernetzung an einem Ort wäre das prototypische Projekt jedoch einzigartig.

Auch die Energieversorgung und das Stoffstrommanagement des Flughafengebäudes lassen sich nach unserer Überzeugung, Erfahrung und technischem Wissenstand selbstverständlich dezentral, nachhaltig und transparent gestalten. Viele Projekte, Organisationen und Institutionen in Berlin beschäftigen sich seit langem mit nachhaltigem Sanieren und dem erforderlichen Paradigmenwechsel bei Infrastruktursystemen. Diese miteinander in Resonanz zu bringen und Innovator*innen aus aller Welt anzulocken, ist unsere Interpretation eines „Kunst-, Kultur- und Kreativstandorts“.

Wir hoffen, den Berliner Senat und das Abgeordnetenhaus zu überzeugen und sie als Mitstreiter und Unterstützer zu gewinnen. Wichtig ist uns ein kooperatives Vorgehen und die Erarbeitung eines gemeinsamen Verständnisses, damit sich die thf.vision an diesem Standort entwickeln kann.